Die HU beim Elektroauto: Wie Tesla, ID.3 & Co. geprüft werden
Kein Öl, kein Auspuff, keine AU. Die Hauptuntersuchung eines E-Autos legt den Fokus auf Hochvoltsicherheit und Bremsen. Erfahren Sie alles über den Ablauf.
Elektroautos haben den deutschen Straßenverkehr erobert. Natürlich müssen auch reine Batterieelektrofahrzeuge (BEV) regelmäßig zur Hauptuntersuchung. Die Fristen der Hauptuntersuchung sind identisch zum Verbrenner: Neuwagen nach drei Jahren, danach alle 24 Monate. Doch die Prüfungsinhalte unterscheiden sich fundamental – ein Blick auf die neun Baugruppen der klassischen HU zeigt, was am Stromer wegfällt und was dazukommt.
Was beim E-Auto NICHT geprüft wird
Der größte und finanzielle Vorteil für E-Mobilisten: Die Abgasuntersuchung (AU) entfällt komplett. Da es keinen Auspuff gibt, kann auch keine Geräuschmessung der Abgasanlage durchgeführt werden. Ebenso entfällt die Suche nach Ölverlust am Motorblock oder Getriebe. Was bleibt: Tieferlegung, andere Felgen oder ein Spoiler brauchen auch am Elektroauto die Änderungsabnahme nach § 19.3 – daran ändert der Antrieb nichts.
Der Fokus auf die Hochvolt-Technik (HV)
Statt Auspuff und Keilriemen rückt das Herzstück des E-Autos in den Fokus – das Hochvoltsystem. Die orange isolierten Leitungen signalisieren lebensgefährliche Spannungen. Wir kontrollieren während der HU:
- Sichtprüfung der Batteriekästen: Gibt es Anzeichen für mechanische Beschädigungen am Unterboden, die den Akku gefährden könnten?
- Kabel und Anschlüsse: Sind die orangefarbenen Ladekabel intakt? Liegen offene Schirmungen vor oder gibt es Scheuerstellen an Karosserieteilen?
- Ladeanschluss: Sind die Kontakte in der Ladebuchse sauber und intakt? Befindet sich Feuchtigkeit an sicherheitskritischen Stellen?
Die Bremsen-Problematik bei Elektroautos
Ein sehr spezifisches Problem von E-Autos ist das sogenannte Bremsen-Gammeln. Da Elektrofahrzeuge den Großteil der Bremsenergie über den Elektromotor zurückgewinnen (Rekuperation), werden die mechanischen Bremsscheiben und Bremsbeläge im Alltag kaum beansprucht. Dadurch setzt sich schnell Flugrost an, der sich zu tiefen Rillen ausweiten kann. Bei der Bremsenprüfung auf unserem Prüfstand fallen einige Stromer genau deshalb durch. Unser Tipp: Bremsen Sie bei Autobahnabfahrten gelegentlich ganz bewusst mechanisch ab (in N schalten oder hart bremsen, sofern es der Verkehr gefahrlos zulässt), um die Scheiben sauber zu halten. Die restlichen Punkte, die Sie vor dem Termin selbst kontrollieren können, stehen in unserer Checkliste zur HU-Vorbereitung.
Wir im Ingenieurbüro Basaran sind speziell für die Überprüfung von Hochvolt-Fahrzeugen geschult und freuen uns auf Ihr modernes E-Fahrzeug – ohne Termin in unserer Prüfstelle in Ahlen.
Über den Autor
Sinan Basaran
Inhaber des Ingenieurbüro Basaran in Ahlen und TÜV SÜD Auto Partner. Er prüft und begutachtet täglich Fahrzeuge in der eigenen Prüfstelle an der Dolberger Str. 44: Haupt- und Abgasuntersuchung, Unfall- und Oldtimergutachten sowie Einzel- und Änderungsabnahmen nach §21 und §19.3 StVZO.
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