Ratgeber · HU / AU
Was wird beim TÜV geprüft? Alle 9 Prüfbereiche der HU
Vom Abgleich der Fahrgestellnummer bis zur Plakette: welche 9 Baugruppen der Prüfer bei der Hauptuntersuchung ansieht, wie lange das dauert und was bei Mängeln passiert.
OffiziellerTÜV SÜD Partner- 5,0 von 5 bei Googleaus 104 Bewertungen
- HU ohne Terminauch samstags, 10-13 Uhr
- Dolberger Str. 4459229 Ahlen
Inhalt · 14 Abschnitte
- Rechtsgrundlage: Was der TÜV eigentlich prüft
- 1. Identifizierung des Fahrzeugs
- 2. Umweltbelastungen (Abgasuntersuchung AU)
- 3. Bremsanlage
- 4. Rahmen, Karosserie & tragende Teile
- 5. Fahrgestell, Achsen, Räder & Reifen
- 6. Lenkung
- 7. Sichtverhältnisse
- 8. Beleuchtungsanlage & elektrische Anlage
- 9. Sonstige Ausrüstung
- Wie lange dauert die HU insgesamt?
- Was kostet die HU?
- Und wenn ich durchfalle?
- So bereiten Sie sich optimal vor
„Was wird beim TÜV geprüft?“ ist eine der meistgestellten Fragen unserer Kunden in Ahlen. Kein Wunder – wer alle zwei Jahre zur Hauptuntersuchung (HU) muss, will wissen, was auf ihn zukommt. Wir haben unsere Prüfstelle geöffnet und den kompletten Ablauf für Sie transparent gemacht.
Rechtsgrundlage: Was der TÜV eigentlich prüft
Die Hauptuntersuchung ist in § 29 StVZO in Verbindung mit Anlage VIII geregelt. Der amtlich anerkannte Sachverständige prüft, ob Ihr Fahrzeug den Anforderungen der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) und den daraus abgeleiteten technischen Vorschriften entspricht. Es geht ausdrücklich nicht um Wartung oder Verschleiß, sondern um Verkehrs- und Betriebssicherheit.
Die Prüfung teilt sich in 9 Baugruppen auf:
1. Identifizierung des Fahrzeugs
Bevor überhaupt eine Schraube bewegt wird, gleichen wir die Fahrzeug-Identifikationsnummer (FIN/VIN) an der Karosserie mit der Zulassungsbescheinigung Teil I ab. Manipulationen am Fahrgestellnummernschild führen zur sofortigen Prüfungsverweigerung.
2. Umweltbelastungen (Abgasuntersuchung AU)
Die Abgasuntersuchung ist heute vollständig in die HU integriert. Bei modernen Fahrzeugen wird per OBD-Schnittstelle das Motorsteuergerät ausgelesen; bei älteren Autos zusätzlich mit einer Abgassonde im Endrohr gemessen. Geprüft werden CO-, HC- und NOx-Werte sowie die Funktion der Katalysatoren und Partikelfilter.
3. Bremsanlage
Der Bremsentest ist der aufwendigste Teil der HU. Auf einem Rollenbremsprüfstand messen wir:
- die Bremswirkung an jedem einzelnen Rad,
- die Gleichmäßigkeit der Bremsung (Achsdifferenz max. 25 %),
- die Feststellbremse (Handbremse),
- die Bremsflüssigkeit (Alter und Wassergehalt),
- Zustand der Bremsleitungen, Bremsschläuche und Bremsbeläge.
Bei Elektroautos ist die Bremsanlage übrigens ein besonderer Fokus – lesen Sie dazu unseren Ratgeber zur HU beim Elektroauto.
4. Rahmen, Karosserie & tragende Teile
Auf der Hebebühne kontrollieren wir den Unterboden, die Längsträger, Schweller und Radhäuser auf Rost, Risse und unsachgemäße Reparaturen. Besonders bei Fahrzeugen ab 10 Jahren führt hier fast jeder zweite Mangel zu einer Verweigerung der Plakette.
5. Fahrgestell, Achsen, Räder & Reifen
Wir prüfen:
- Radaufhängung (Traggelenke, Spurstangen, Stabilisatoren),
- Radlager auf Spiel,
- Reifen: Profiltiefe (mind. 1,6 mm), Alter, DOT-Nummer, Schäden – Details zur DOT lesen Sie in unserem Ratgeber zur Reifen-DOT-Nummer,
- Felgen auf Risse.
Nicht eingetragene Rad-Reifen-Kombinationen sind hier ein häufiger Mangel – die Änderungsabnahme nach § 19.3 holen Sie in dem Fall bei uns nach.
6. Lenkung
Axialspiel im Lenkgetriebe, Beweglichkeit der Servolenkung, Zustand der Manschetten und Spurstangenköpfe – alles wird kontrolliert. Ein schwerer Mangel an der Lenkung gehört zu den Befunden, nach denen ein Fahrzeug als verkehrsunsicher eingestuft werden kann – dann darf es die Prüfstelle nicht mehr auf eigener Achse verlassen.
7. Sichtverhältnisse
Windschutzscheibe (Risse im Sichtfeld), Wischerblätter, Waschdüsen, Innen- und Außenspiegel, Tönungen an Front- und Seitenscheiben werden gecheckt. Eine getönte Frontscheibe darf die Lichtdurchlässigkeit nicht unter 75 % senken.
8. Beleuchtungsanlage & elektrische Anlage
Alle Lampen (Abblendlicht, Fernlicht, Nebel, Rückfahrscheinwerfer, Standlicht, Kennzeichenbeleuchtung, Blinker vorne/hinten/seitlich, Bremslichter, Warnblinker) werden auf Funktion und korrekte Einstellung geprüft. Die Scheinwerferhöhenverstellung muss funktionieren. Ein Klassiker unter den Mängeln – aber leicht vorher zu Hause zu prüfen.
9. Sonstige Ausrüstung
Dazu gehören unter anderem: Verbandkasten mit gültigem Haltbarkeitsdatum, Warndreieck, Warnweste, Sicherheitsgurte, Airbag-Kontrollleuchten, Anhängerkupplung, Ladungssicherungspunkte bei Nutzfahrzeugen.
Wie lange dauert die HU insgesamt?
Eine reguläre Hauptuntersuchung eines Pkw dauert im Schnitt 20 Minuten. Bei größeren Fahrzeugen (Wohnmobile, Transporter) oder älteren Fahrzeugen mit hohem Rostrisiko kann es länger dauern.
Was kostet die HU?
Die Gebühr folgt der Gebührenordnung für Maßnahmen im Straßenverkehr. Die setzt keinen bundesweiten Festpreis, sondern einen Rahmen; verhandelt wird der Betrag bei uns nicht. Den exakten Betrag für Ihr Fahrzeug nennen wir Ihnen vor Beginn der Prüfung, ohne versteckte Zusatzkosten. Woraus er sich zusammensetzt, erklärt der Ratgeber Was kostet die Hauptuntersuchung?; unseren Ablauf beschreibt die HU/AU-Seite.
Und wenn ich durchfalle?
Im Untersuchungsbericht steht jeder Befund mit seiner Einstufung. Davon gibt es fünf:
- Ohne Mängel – die Plakette wird zugeteilt.
- Geringe Mängel – die Plakette gibt es trotzdem, wenn zu erwarten ist, dass Sie die Mängel unverzüglich beheben, spätestens innerhalb eines Monats. Noch einmal vorführen müssen Sie das Fahrzeug dafür nicht.
- Erhebliche Mängel – keine Plakette. Das Fahrzeug muss bis zum Ablauf eines Monats nach dem Prüftag zur Nachprüfung, und die ist günstiger als eine neue HU.
- Gefährliche Mängel – keine Plakette, und der Bericht weist auf die unmittelbare Gefährdung hin. Die Mängel sind unverzüglich zu beheben, die Nachprüfung folgt ebenfalls binnen eines Monats. Aus dem Verkehr gezogen wird das Fahrzeug nicht, aber wer es so weiterfährt, trägt die Verantwortung.
- Verkehrsunsicher – die Plakette wird entfernt, die Zulassungsbehörde benachrichtigt, und das Fahrzeug darf auf öffentlichen Straßen nicht mehr in Betrieb gesetzt werden.
Gefährlich und verkehrsunsicher sind also zwei verschiedene Stufen mit verschiedenen Folgen. Wie die Nachprüfung abläuft und was Sie dafür mitbringen, steht im Ratgeber Bei der HU durchgefallen. Bei kleinen Mängeln beraten wir Sie oft direkt vor Ort, wie Sie diese kostengünstig beheben können.
So bereiten Sie sich optimal vor
Unsere HU-Vorbereitungs-Checkliste zeigt Ihnen, was Sie vor dem Termin selbst prüfen und oft auch selbst beheben können: Beleuchtung, Reifen, Warnleuchten, Scheibenwaschanlage und Sicherheitsausstattung. Damit sparen Sie sich Nachprüfungsgebühren und Zeit.
Kommen Sie gerne ohne Termin in unsere TÜV SÜD Prüfstelle in Ahlen – auch samstags von 10–13 Uhr. Wir zeigen Ihnen transparent, was wir prüfen und warum.
Über den Autor
Sinan Basaran
Inhaber des Ingenieurbüro Basaran in Ahlen und TÜV SÜD Auto Partner. Er prüft und begutachtet täglich Fahrzeuge in der eigenen Prüfstelle an der Dolberger Str. 44: Haupt- und Abgasuntersuchung, Unfall- und Oldtimergutachten sowie Einzel- und Änderungsabnahmen nach §21 und §19.3 StVZO.
Mehr über das Ingenieurbüro
