Ratgeber · Wohnmobil- & Anhänger-HU
Anhänger zur HU: Fristen, Ablauf und woran die Prüfung meistens scheitert
Elf Monate im Carport, vier Wochen im Einsatz — und trotzdem alle zwei Jahre zur Prüfung. Welche Fristen für Anhänger gelten und welche sechs Punkte am häufigsten beanstandet werden.

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- HU ohne Terminauch samstags, 10-13 Uhr
- Dolberger Str. 4459229 Ahlen
Inhalt · 8 Abschnitte
Der Anhänger ist das Fahrzeug, an das man erst denkt, wenn man es braucht. Elf Monate steht er hinter dem Haus oder im Carport, dann soll er einen Umzug tragen, eine Ladung Grünschnitt oder das Boot — und ausgerechnet dann fällt der Blick aufs Kennzeichen und auf eine Plakette, die schon eine Weile abgelaufen ist.
Dass ein Anhänger zur Hauptuntersuchung muss, wird regelmäßig übersehen. Er hat keinen Motor, keinen Tacho und keine Betriebsstunden. Er altert trotzdem — sogar besonders, weil er die meiste Zeit im Freien steht und weil das Stehen ihm mehr schadet als das Fahren.
Jeder zulassungspflichtige Anhänger muss zur HU
Ein Anhänger mit eigenem Kennzeichen unterliegt der Hauptuntersuchung nach § 29 StVZO. Das gilt für den 750-Kilo-Kastenanhänger aus dem Baumarkt genauso wie für den Pferdeanhänger, den Bootstrailer und den Wohnwagen. Die verbreitete Annahme, kleine ungebremste Anhänger seien ausgenommen, stimmt nicht.
Kein eigenes Kennzeichen, keine eigene HU — das trifft praktisch nur auf Sonderfälle zu, etwa auf land- oder forstwirtschaftliche Anhänger, für die eigene Regeln gelten. Im Zweifel ist das eine Frage, die sich am Telefon in zwei Minuten klären lässt.
Die Fristen
Welche Frist gilt, hängt an zulässiger Gesamtmasse und Bremse (Anlage VIII Nr. 2.1.5 StVZO):
- Anhänger bis 0,75 t zulässiger Gesamtmasse oder ohne eigene Bremse — erstmals nach 36 Monaten, danach alle 24 Monate. Dazu zählt der kleine ungebremste Kastenanhänger.
- Anhänger mit eigener Bremse über 0,75 t bis 3,5 t — von Anfang an alle 24 Monate. Dazu gehören die meisten Wohnwagen.
- Anhänger über 3,5 t zulässiger Gesamtmasse — jährlich.
Maßgeblich ist die zulässige Gesamtmasse aus der Zulassungsbescheinigung Teil I, nicht das tatsächliche Gewicht der Ladung. Und ausrechnen müssen Sie den Termin ohnehin nicht: Er steht auf der Prüfplakette am hinteren Kennzeichen. Wie sie zu lesen ist, zeigen wir Ziffer für Ziffer im Ratgeber Die TÜV-Plakette lesen.
Bei sehr schweren Anhängern kann zusätzlich eine Sicherheitsprüfung vorgeschrieben sein. Ob das Ihren betrifft, klären wir vorab — dafür genügt ein Anruf mit der zulässigen Gesamtmasse.
Was die Gebühr bestimmt
Beim Anhänger fällt der zweite große Posten weg: Ohne Motor gibt es keine Abgasuntersuchung. Übrig bleibt die Hauptuntersuchung selbst, und die staffelt sich nach Fahrzeugart und zulässiger Gesamtmasse.
Was das für Ihren Anhänger bedeutet, sagen wir Ihnen vorab am Telefon; dafür genügen die zulässige Gesamtmasse und die Angabe, ob er gebremst oder ungebremst ist. Woraus sich eine HU-Gebühr grundsätzlich zusammensetzt und welche Positionen daneben entstehen können, steht im Ratgeber Was kostet die Hauptuntersuchung?
Die sechs Punkte, an denen Anhänger scheitern
1. Beleuchtung und Stecker. Der mit Abstand häufigste Befund, und fast immer derselbe: Feuchtigkeit. Korrosion in den Kontakten des Steckers, gebrochene Adern kurz hinter der Zugentlastung, Wasser in der Rückleuchte, eine tote Kennzeichenbeleuchtung. Ein Anhänger führt sein Kabel offen unter dem Rahmen entlang, und dort ist es dem Wetter und den Steinschlägen unmittelbar ausgesetzt.
2. Auflaufeinrichtung und Bremse. Bei gebremsten Anhängern der aufwendigste Teil der Prüfung. Beanstandet werden schwergängige Auflaufeinrichtungen, festsitzende oder gerissene Bremsseile, ausgeschlagene Umlenkungen und Bremsen, die nach langem Stehen ungleichmäßig greifen. Ein Anhänger, der ein halbes Jahr mit angezogener Feststellbremse stand, hat dieses Problem fast garantiert.
3. Reifen. Anhängerreifen sterben selten am Profil und fast immer am Alter. Sie tragen wenig Kilometer, stehen dafür jahrelang unter Last in derselben Position — das ergibt Standplatten, Risse in den Flanken und ausgehärtetes Gummi bei bestem Profilbild. Wie Sie das Herstellungsdatum an der DOT-Nummer auf der Reifenflanke ablesen, steht in einem eigenen Ratgeber.
4. Rost an Rahmen, Deichsel und Achse. Anders als beim Pkw ist die tragende Struktur eines Anhängers meist ungeschützt sichtbar — und damit auch der Rost. Oberflächenrost ist normal. Beanstandet wird, wo Material fehlt, wo geschweißt wurde, ohne dass die Verbindung tragfähig ist, oder wo die Deichsel im Bereich der Verschraubung angegriffen ist.
5. Die Kleinteile. Abreiß- beziehungsweise Sicherungsseil, Stützrad, Unterlegkeile dort, wo sie vorgeschrieben sind, Bordwandverschlüsse, Kotflügel, Rückstrahler. Jeder Punkt für sich unscheinbar, in Summe der zweithäufigste Grund für einen zweiten Weg.
6. Kennzeichen und Papiere. Ein ausgeblichenes, nicht mehr reflektierendes Kennzeichen ist ein Mangel. Und ohne Zulassungsbescheinigung Teil I beginnt die Prüfung gar nicht erst.
Was ein halbes Jahr Stillstand anrichtet
Ein Fahrzeug, das steht, verschleißt anders als eines, das fährt — aber es verschleißt. Bremsscheiben und Bremstrommeln setzen Flugrost an, der sich beim ersten Bremsen wieder abträgt; sitzt er fest, bleibt eine Unwucht. Radlagerfett sackt ab. Gummidichtungen an Leuchten werden hart und lassen Wasser durch. Reifen verformen sich an der Auflagefläche.
Das meiste davon lässt sich mit zwei Handgriffen abfangen: den Anhänger vor dem Termin einmal bewegen, die Bremse mehrfach betätigen, alle Leuchten mit angeschlossenem Zugfahrzeug durchschalten. Wer das eine Woche vorher macht statt auf dem Hof der Prüfstelle, hat noch Zeit zu reagieren.
Tempo 100 hat eigene Voraussetzungen
Wer mit dem Anhänger 100 km/h fahren darf, hat dafür eine eigene Bescheinigung — und die hängt an Bedingungen, die mit der Hauptuntersuchung nur teilweise deckungsgleich sind. Dazu gehört unter anderem, dass die Reifen ein bestimmtes Alter nicht überschreiten dürfen und dass die Kombination aus Zugfahrzeug und Anhänger zusammenpassen muss.
Wichtig ist die Unterscheidung: Die HU sagt, ob der Anhänger verkehrssicher ist. Sie sagt nicht, ob die Tempo-100-Voraussetzungen noch erfüllt sind. Das sind zwei Prüfungen mit zwei verschiedenen Maßstäben — und die Reifen sind der Punkt, an dem sie sich berühren.
Wohnwagen sind Anhänger — mit einem Zusatz
Für den Wohnwagen gelten dieselben HU-Fristen wie für jeden anderen Anhänger seiner Gewichtsklasse. Dazu kommt allerdings die Gasanlage, und die ist eine eigene, gesetzlich vorgeschriebene Prüfung mit eigenem Rhythmus. Was dabei kontrolliert wird und warum das gelbe Prüfheft auf europäischen Campingplätzen verlangt wird, steht im Ratgeber zur Wohnmobil-HU und Gasprüfung G 607.
Was Sie mitbringen und wie es abläuft
Es genügt die Zulassungsbescheinigung Teil I des Anhängers. Führen Sie ihn am Zugfahrzeug vor, damit sich Beleuchtung und Auflaufbremse im Verbund prüfen lassen — ohne Zugfahrzeug ist die Beleuchtungsprüfung nur eingeschränkt möglich. Liegt eine Tempo-100-Bescheinigung vor, bringen Sie sie mit.
Auf unserem Gelände in Ahlen ist Platz zum Rangieren, auch mit langen Gespannen. Sie kommen ohne Termin in die Prüfstelle in Ahlen, auch samstags; wie die HU für Anhänger und Wohnmobile bei uns abläuft, steht auf der Leistungsseite. Wenn Sie vorher wissen wollen, was für Ihren Anhänger anfällt, erreichen Sie uns über die Kontaktseite.
Über den Autor
Sinan Basaran
Inhaber des Ingenieurbüro Basaran in Ahlen und TÜV SÜD Auto Partner. Er prüft und begutachtet täglich Fahrzeuge in der eigenen Prüfstelle an der Dolberger Str. 44: Haupt- und Abgasuntersuchung, Unfall- und Oldtimergutachten sowie Einzel- und Änderungsabnahmen nach §21 und §19.3 StVZO.
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